Schlangenadler am Penser Joch

Eine ganz seltene Beobachtung gelang dem Förster und Jäger des Revier Stilfes Florian Winkler Anfang August am Vorderegger Berg nahe dem Penser Joch. Dort hielt sich über mehrere Wochen ein großer weißer Greifvogel auf, den Winkler bald als Schlangenadler identifizierte. Der Förster machte einige Fotos, die nun als Beweis für die Beobachtung gelten können. Schlangenadlersichtungen sind in Südtirol eine Ausnahme. Lange Zeit gab es so gut wie keinen Nachweis, von 1970 bis 1995 zählte die Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz (AVK) lediglich drei Meldungen. Letzthin nehmen die Sichtungen aber erfreulich zu: Die AVK verzeichnet Beobachtungen von der Villanderer Alm und von der Sarner Scharte. Der Greifvogel ist in unserem Land aber eher nur ein Gast zur Zugzeit. Die europäischen Schlangenadler ziehen im Herbst in die Sahelzone. Dabei machen einige aus Osteuropa in den Süden ziehenden Exemplare auch in den Alpen kurz Halt, besonders, wenn sie dort die geeignete Nahrung finden: Schlangen und Eidechsen. Selten nehmen die Vögel auch Warmblüter als Beute an.

Den Schlangenadler erkennt man zunächst an der hellen, fast weißen Färbung. Nur Kehl- und Vorderbrustbereich sind etwas dunkler. Im Schwanz fallen drei bis vier deutliche Binden auf. Da es auch hell gefärbte Mäusebussarde gibt, könnte es zu Verwechslungen kommen. Mäusebussarde sind aber deutlich kleiner und halten, wenn sie segeln, die Flügel leicht aufwärts gewinkelt, während die Schlangenadler ihre Schwingen waagrecht ausbreiten. Ein eindeutiges Kennzeichen der Schlangenadler ist der große runde Kopf, sie sehen dadurch fast eulenähnlich aus. Das hellgelbe Auge ist ebenfalls ein gutes Erkennungsmerkmal. Auf der Suche nach Beute können die Schlangenadler ähnlich wie Turmfalken in der Luft schwebend stillstehen, sie rütteln. Auf ein Beutetier lassen sie sich dann fallschirmartig niedersinken. Sie können aber auch mit angelegten Flügeln ziemlich schnell zu Boden stoßen.
Schlangenadler gibt es in Europa in Spanien, Italien, auf der Balkanhalbinsel und, wie gesagt, auch in Osteuropa, wo die Vögel offene Landschaften mit extensivem Kulturland bevorzugen.

In unserem Land sollen früher Schlangenadler auch als Brutvögel vorgekommen sein. Im Ferdinandeum in Innsbruck wird ein Exemplar aufbewahrt, welches 1870 bei Moritzing aus einem Horst entnommen worden sein soll.
Wenn es stimmt, dann soll der Schlangenadler im letzten Jahr in Südtirol wieder gebrütet haben.



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