Bestandeserhebungen für Hühnervögel abgeschlossen

Die Jagd wird nicht nur von lokalen und staatlichen Bestimmungen geregelt, sondern auch von europäischen Richtlinien, zu deren Einhaltung die einzelnen Mitgliedsstaaten verpflichtet sind. Die wichtigste dieser Richtlinien ist die sogenannte Vogelrichtlinie. Sie zielt auf die Erhaltung und den Schutz der Vogelarten ab. Viele Vogelarten unterliegen gemäß Vogelrichtlinie einem völligen Schutz, auf andere kann eine Jagd nur dann ausgeübt werden, wenn eine amtliche Verträglichkeitsprüfung durchgeführt wird, welche Auskunft gibt über die aktuelle Situation in den jeweiligen Beständen und welche bestätigt, dass die Ausübung der Jagd für diese Arten keine Gefährdung darstellt.
In Südtirol muss eine amtliche Verträglichkeitsprüfung für die Jagd auf den Spielhahn, die Schneehühner und auch die Steinhühner durchgeführt werden. Die hierzu notwendigen Bestandeserhebungen werden von den hauptberuflichen Jagdaufsehern zusammen mit der Jägerschaft, den Bediensteten des Amtes für Jagd und Fischerei sowie des Südtiroler Jagdverbandes durchgeführt. Die diesjährigen Erhebungen wurden vor kurzem abgeschlossen, eine Zusammenfassung soll einen Überblick über die aktuelle Situation bei den Beständen dieser Hühnervögel geben.

Gutes Jahr beim Spielhuhn
Seit nunmehr vier Jahren wird südtirolweit der Bestand an Spielhähnen am Balzplatz erhoben. Der Großteil der Erhebungen wird dabei von den hauptberuflichen Jagdaufsehern durchgeführt, viele von ihnen können auf die Unterstützung zahlreicher Jäger zählen.
Das diesjährige Frühjahr war geprägt von langen Schönwetter-Perioden. Die Zählbedingungen waren somit über einen langen Zeitraum sehr gut. Auch das Ergebnis der Erhebungen kann sich sehen lassen: Nach zwei Jahren, in denen die Ergebnisse der Bestandeserhebungen auf einen leichten Abwärtstrend im Bestand hindeuteten, hat sich der Bestand wieder erholt. Nicht zuletzt ist dieser Umkehrtrend auf die durchwegs guten Aufzuchtsbedingungen im vergangenen Jahr zurückzuführen. Abgesehen von einem Kälteeinbruch um den 20. Juni 2010 ließen die Wetterereignisse nämlich auf einen guten Aufzuchtserfolg hoffen, welcher sich offenbar auch eingestellt hat.
Im heurigen Frühjahr wurden von den landesweit 1.045 bekannten Balzplätzen 674 Plätze aufgesucht. Dabei konnten an die 1.600 Spielhähne beobachtet werden. Dies entspricht einer durchschnittlichen Anzahl von 2,4 Hähnen pro aufgesuchten Balzplatz. Aufgerechnet auf das gesamte Land kann man davon ausgehen, dass in Südtirol im Frühjahr zwischen 2.600 und 3.000 Spielhähne und ebenso viele Spielhennen leben.
Der vollständige Bericht über die Bestandessituation beim Spielhuhn kann hier heruntergeladen werden.


Stabilisierung des Schneehuhnbestandes?
Auch beim Schneehuhn scheinen sich die Bestände zumindest in den Hauptverbreitungsgebieten wieder stabilisiert zu haben. Alpenweit scheint die Schneehuhndichte bis vor einem Jahrzehnt stark abgenommen zu haben, zahlreiche vor allem tief gelegene Standorte werden nicht mehr vom Schneehuhn besiedelt. Aktuell geht man davon aus, dass landesweit ca. 58.000 Hektar als Lebensraum für Schneehühner geeignet sind.
Die seit nunmehr vier Jahren vom Personal des Amtes für Jagd und Fischerei und des Südtiroler Jagdverbandes durchgeführten Erhebungen zeigen das Schneehuhn in einem Großteil des Landes weiterhin verbreitet, die vorgefundenen Frühjahrsdichten sind dabei jedoch je nach Lage des Untersuchungsgebietes recht unterschiedlich. Bis heute sind auf mehr als 5.000 Hektar Frühjahrserhebungen zum Schneehuhnbestand durchgeführt worden, hinzu kommen zahlreiche Ausgänge während der Sommermonate, welche sich auf mehr als 6.000 Hektar Fläche erstreckten. Insgesamt wurden bisher mehr als 500 Nachweise von Schneehühnern kartografisch erfasst.
Bezogen auf alle in den vergangenen vier Jahren aufgesuchten Probeflächen liegt die mittlere vorgefundene Dichte bei 1,9 Schneehähnen pro 100 Hektar Lebensraum. Dieser Wert dürfte allerdings die tatsächliche Dichte unterschätzen. In sehr guten Lebensräumen wurden lokal auch Dichten von 4-5 Hähnen pro 100 Hektar festgestellt, diese Werte decken sich mit den Ergebnissen aus Untersuchungen in anderen Gebieten der Alpen.
Man kann somit davon ausgehen, dass in Südtirol im Frühjahr mindestens 1.700 Schneehühner leben, der jeweilige Nachwuchserfolg hängt, wie auch bei den anderen Hühnervögeln, vor allem von den Wetterbedingungen zum Zeitpunkt des Schlüpfens der Küken ab.
Der vollständige Bericht über die Bestandessituation beim Schneehuhn kann hier heruntergeladen werden.


Größte Bestandesschwankungen beim Steinhuhn
Die Lage südlich des Alpenhauptkamms und das milde Klima in Teilen Südtirols sagen dem Steinhuhn zu. Das Steinhuhn ist besonders wärmeliebend. Daher finden wir das gut taubengroße Feldhuhn vor allem in der Westhälfte des Landes verbreitet, aber auch in den klimatisch begünstigten Bereichen im Sarntal, Wipptal und im Pustertal und auch in den Dolomiten finden sich vereinzelt gut geeignete Steinhuhnlebensräume. Insgesamt werden in Südtirol ca. 29.000 Hektar vom Steinhuhn als Lebensraum genutzt.
Der Steinhuhnbestand kann starken Schwankungen unterliegen. Nach Sommern mit guten Aufzuchtsbedingungen und milden Wintern werden höhere Bestände beobachtet, die von den Steinhühnern genutzten Flächen sind zudem merklich größer als in Zeiten mit geringer Dichte, wenn nur die besten Lebensräume genutzt werden.
In den vier Jahren seit Beginn der Frühjahrs-Erhebungen wurde in mehreren Stichprobeflächen eine Halbierung des Steinhuhnbestandes beobachtet. Nur die besten Lebensräume werden zurzeit von den Steinhühnern genutzt. Dennoch ist die vorgefundene Dichte von durchschnittlich 2,9 Hähnen pro hundert Hektar als gut anzusehen, vor allem wenn man bedenkt, dass im Vinschgau und in zahlreichen kleinen Verbreitungsinseln deutlich höhere Dichten vorgefunden werden. Man kann davon ausgehen, dass sich der landesweite Frühjahrsbestand an Steinhühnern auf ca. 1.000 Tiere beläuft. Im Herbst dürfte der Bestand aufgrund des großen Vermehrungspotentials der Steinhühner wohl mindestens doppelt so groß sein.
Der vollständige Bericht über die Bestandessituation beim Steinhuhn kann hier heruntergeladen werden.







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