Impfaktion abgeschlossen - Jagd mit Hunden wieder erlaubt

Nach aktueller Information des stellvertretenden Amtsdirektor des Landesveterinäramtes Dr. Ernst Stifter wurde die landesweite Impfaktion mit 24. November abgeschlossen. Das Verbot der Jagdausübung mit Hund ist mit Montag, den 28. November wieder aufgehoben worden.  

Die Tollwut - tödlich für Tier und Mensch

Die Tollwut ist eine der schwersten Tierkrankheiten, welche auf den Menschen übergehen kann. Sie verläuft für Mensch und Tier fast immer tödlich. Ein Ausbrechen der Krankheit kann nur über das Ausbringen von Impfködern unterbunden werden. Die Impfaktion ist auf gesetzlicher Grundlage staatlich vorgeschrieben. Das Gesundheitsministerium hat für die Bekämpfung der aktuellen Tollwutepidemie eine eigene Kriseneinheit eingerichtet, welche aus Fachleuten der vier betroffenen Regionen, des Gesundheitsministeriums und des staatlichen Referenzlabors für Tollwut zusammengesetzt ist. Diese Kriseneinheit hat das Impfschutzprogramm festgelegt. Das gesamte Projekt wird von der EU mit 2,4 Millionen Euro finanziert.

Erfolgreiche Impfaktion



Das Impfgebiet erstreckte sich von der Ebene bis auf 1.500 Metern Seehöhe

Mit der länderübergreifenden wiederholten Ausbringung von Impfködern ist es gelungen, eine weitere Ausbreitung der Tollwut zu verhindern. In Südtirol wurde nach den fünf verzeichneten Krankheitsfällen im Frühjahr 2010 kein weiterer Fall mehr verzeichnet.
Von 100 Füchsen haben zumindest 80 Füchse einen Impfköder zu sich genommen und sind somit immun gegen die Krankheitserreger. Eine derart hohe Durchimpfungsrate ist nur durch eine flächendeckende Ausbringung möglichst vieler Köder möglich: In der Ebene wurden ca. 20 Köder pro Quadratkilometer vom Hubschrauber abgeworfen, in Berggebieten waren es ca. 30 Impfköder pro Quadratkilometer.
Als Zeitpunkt für die Impfung wurde ein relativ günstiges Temperaturfenster kurz vor Wintereinbruch gewählt. Wenn es sehr kalt ist, werden die Köder nämlich nicht leicht gefunden.
Es kann davon ausgegangen werden, dass die Impfaktion vorerst abgeschlossen werden kann. Somit haben auch die Brackenjäger in nächster Zukunft keine Einschränkungen mehr zu erwarten.
Wäre die Tollwut hingegen ausgebrochen, müsste die Brackenjagd gänzlich verboten werden, und zwar für längere Zeit. Das gab es schon einmal in Südtirol, und zwar im Bezirk Sterzing, wo deshalb die Tradition der Brackenjagd schwer gelitten hat. Es ist daher auch im Interesse der Brackenjäger, dass die Impfung gelungen ist.
Das Verbot der Hundejagd während des Impfzeitraumes hat zwei Gründe. Erstens sollen die Impfköder nicht von den Hunden, sondern von den Füchsen gefressen werden, zweitens enthalten die Impfköder lebende, allerdings geschwächte Tollwutviren. Ein Hund, der einen Impfköder frisst, hat für eine Dauer von ein bis zwei Stunden die lebenden Viren im Maul und im Speichel. Wenn ein solcher Hund eine geschwächte Person abschleckt, etwa einen älteren Menschen oder ein Kind, und diese Person hat eine offene Stelle an der Haut, so kann es zu einer Tollwutinfektion kommen. Dieses Risiko musste unbedingt ausgeschlossen werden.

Impfaktion landesweit abgeschlossen

Die Landesveterinärbehörde war bemüht, die Aktion so schnell wie möglich abzuschließen. Mitunter spielte das Wetter nicht mit. Wir haben erfahren, dass am Donnerstag, den 24.11.2011 die Impfköder in ganz Südtirol ausgelegt waren und dass die Brackenjagd ab Montag, den 28. November wieder in ganz Südtirol ausgeübt werden kann.

Tollwutfälle in Südtirol - ein Rückblick

1967     Erster Tollwutfall in Südtirol. Schneehase in Barbian
1967     Je ein tollwütiges Reh in Waidbruck und Kastelruth
1970     Tollwutvorbeugung im Vinschgau, Passeier- und Wipptal wegen Tollwutwelle in Nordtirol
1966-1974 
            921 Tollwutfälle in Nordtirol
1977     Betroffen ist zunächst das Ahrntal und später das mittlere und obere Pustertal von St. Lorenzen bis Toblach und Sexten. 99 Fälle, davon 82 Füchse, fünf Dachse, zwölf Rehe.
1978     209 Fälle, betroffen vor allem das Pustertal, einzelne Fälle im Gadertal und ein Fall in Pfitsch.
1979     Zehn Fälle: sechs Füchse, drei Dachse ein Reh; ein Fall in Sexten, vier in Rasen Antholz, drei in Bruneck, zwei in Wiesen/Pfitsch
1980     Zwei Fälle im Westen des Landes: Mals und Graun
1981     Ausbruch der Tollwut im Vinschgau, über 100 Fälle, die meisten davon in Mals, Graun, Schluderns und Prad; drei Fälle in St. Leonhard, einer in Ratschings
1982    Verlagerung der Seuche in den mittleren Vinschgau, insgesamt 90 Fälle. Am meisten Fälle in Latsch, Martell, Schlanders, Kastelbell, Ausdehnung auf Naturns und Partschins,
1983    Nur mehr sechzehn Fälle im Land, Abklingen im Vinschgau, Übergreifen auf Lana, Ulten, Proveis
1984     Sieben Fälle: vier in Laurein, zwei in Kurtatsch, einer in Kaltern
1985     Zwei Fälle in Martell, Abklingen der Seuche
1993     Wiederaufflammen im Wipptal, insgesamt 56 Fälle: 37 in Brenner, zwölf in Sterzing, der Rest in Pfitsch und Ratschings
1993     13.10: Letzter Fall dieser Welle im Wipptal
2010     fünf Fälle in Südtirol: einer in Toblach, vier im Gadertal, der bislang letzte Fall wurde an einem Fuchs im Revier Abtei am 09.06.2010 festgestellt.

Die im Gang befindliche Tollwutepidemie ist im Jahr 2008 in Friaul ausgebrochen, dort gab es neun Fälle, 2009 wurden 35 Fälle in Friaul und 33 im Veneto registriert, 2010 vierzehn Fälle in Friaul, 182 im Veneto, acht im Trentino und fünf in der Provinz Bozen, insgesamt also 209 Fälle.

2011 gab es dann wegen der durchgeführten Impfung nur mehr einen Fall im Veneto, genauer in der Provinz Belluno.


Übersicht über die seit 2008 festgestellten Tollwutfälle in Norditalien







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