Seltene Wintergäste in Südtirol
Verschiedene seltene Vogelarten sind in den letzten Tagen und Wochen in Südtirol gesehen worden. Die Kältewelle in weiten Teilen Mitte- und Osteuropas dürfte der Grund dafür sein. Vor allem die Wasservögel müssen nach Süden ausweichen, um zu eisfreien Gewässern zu gelangen. Aber auch Greifvögel fliehen vor der Kälte. In Sterzing hat der Brixner Naturfotograf Hugo Wassermann auf dem Flugplatz sechs Brandgänse fotografieren können. Die Brandgänse brüten hauptsächlich an der Nord- und Ostseeküste, und zwar meist in Erdlöchern oder Höhlen, zum Beispiel in Fuchs- oder Kaninchenbauen. Diese Eigenheit ist in der italienischen Artbezeichnung festgehalten: „Volpoca“, also „Fuchsgans“, sagen die Italiener zur Brandgans. Den relativ großen Wasservogel erkennt man leicht am roten Schnabel, dem grünschwarzen Kopf und Hals und der weiß-schwarz-braunen Körperfärbung.
Heinrich Aukenthaler hat vor rund vierzehn Tagen, ebenfalls auf dem Flugplatz von Sterzing, einen Merlin beobachten können. Der kleine Falkenvogel war völlig vertraut, man konnte sich ihm auf wenige Meter nähern. Das Brutgebiet der Merline liegt in den Birken- und Kieferwäldern Skandinaviens und Sibiriens.
Südlich von Bozen gelangen dem Naturfotografen Renato Grassi am 3. Februar die Fotos von mehreren Gänsesägern. Grassi hielt auf einem Bild fest, wie ein Säger gerade eine ziemlich große Forelle erbeutet hatte. Insgesamt waren fünf Männchen und ein Weibchen auf dem Wasser.
Verunfallter Kranich in Raas
Am 2. Februar wurden die Brixner Hobbyfotografen und Vogelexperten Hugo und Johannes Wassermann nach Raas gerufen. Ein verletzter Graureiher sollte dort liegen.
Die beiden waren nicht wenig erstaunt, als sie am Ort einen Kranich vorfanden, der beide Beine gebrochen hatte. Die Ständer hingen nur mehr an den Sehnen am Körper. Hugo und sein Sohn Johannes brachten den Vogel zu einem Tierarzt, der aber nicht mehr helfen konnte.
Kraniche sind in Südtirol äußerst selten. Aufmerksame Vogelbeobachter bekommen sie nur alle paar Jahre zu Gesicht. Hugo Wassermann hat eine Erklärung für den Unfall: Der Vogel wollte offensichtlich in der Dämmerung auf der Raaser Hochfläche landen. Dort sind die Felder gegenwärtig schneefrei. Vor dem dunklen Hintergrund konnte der Kranich eine Mittelspannungsleitung nicht erkennen. Beim spiraligen Abwärtsflug ließ er die Beine hängen, stieß damit gegen einen Draht und verletzte sich schwer. Der Vogel blieb hilflos am Boden liegen. Der Vorfall zeigt, dass die Verdrahtung der Landschaft immer wieder auch seltenen Vogelarten das Leben kosten kann.
Das europäische Verbreitungsgebiet der Kraniche sind die Moore in der Taigazone. In Deutschland gibt es nur einige wenige Brutvorkommen. Die Überwinterungsgebiete der nordeuropäischen Vögel liegen vor allem auf der Iberischen Halbinsel. Kraniche sind deutlich größer als Störche, sie ernähren sich fast nur von Gräsern und Wurzeln, auch Ackerkräuter und Beeren werden angenommen.